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Wer war Bajazid Elmaz Doda?
Bajazid Elmaz Doda, auch deutsch Bajasid Elmas genannt, wurde
ca. 1888 in dem makedonisch-albanischen Gebirgsdorf Schtirowitza
im Oberreka (Reka e Epërme / Gorna Reka) geboren und wuchs
dort auf. Wie viele männliche Einwohner des Reka-Gebietes
ging er als Jugendlicher auf Wanderarbeit nach Rumänien.
In Bukarest traf er am 20. November 1906 den Albanologen Franz
Baron Nopcsa (1877-1933), der den achtzehnjährigen Albaner
als Diener anheuerte.

Bajazid Elmaz Doda (links) und Franz Baron Nopcsa (rechts),
ca. 1931
Aus dem Arbeitsverhältnis wurde eine Liebesbeziehung
und eine langjährige innige Lebensgemeinschaft. In seinen
im Jahre 2001 veröffentlichten Lebenserinnerungen, Reisen
in den Balkan, beschrieb Nopcsa die erste Begegnung mit seinem
künftigen, als Privatsekretär fungiertenden, Lebensgefährten
in knappen Worten folgendermaßen:
"Am 20. November 1906 habe ich in Bukarest Bajazid
Elmas kennen gelernt. Bajazid ist seither bei mir geblieben und
nach dem Tode von Louis Drakovic war er der einzige Mensch,
der mich wirklich gern hatte, dem ich daher in allem und jedem
vollstes Vertrauen entgegenbringen konnte, ohne einen Augenblick
zu befürchten, dass er es missbrauchen würde. Auch
er hatte zwar seine Fehler, aber diesem Vorteil gegenüber
nahm ich sie gerne mit in Kauf. Aus Hass gegen alles, was österreichisch-ungarisch
ist und, da ich mich speziell in Albanien betätigte, aus
Hass gegen mich ermordeten die Serben Bajazid seinen Vater und
seinen Bruder in Schtirovitza 1913."
Anschließend fuhr Nopcsa mit seinem jungen Diener auf
das elterliche Gut Szacsal (Sacel) bei Hatzeg in Siebenbürgen
und nach ein paar Monaten nach London, wo Bajazid an Influenza
erkrankte. Mitte November 1907 fuhren die beiden von der Stadt
Shkodra aus, in der Nopcsa in den Jahren 1907-1910 und später
ab Oktober 1913 ein Haus besass, über Mirdita und Kalis,
wo sie von dem berühmten Räuberfürsten Mustafa
Lita in Gefangenschaft gerieten. Nach deren Freilassung in Prizren
führen sie nach Skopje und bereisten vermutlich dann auch
das obere Rekatal, wie ursprünglich geplant. Anschließend
führen sie wieder nach Shkodra, um das Stammesgebiet der
Hoti und Gruda zu erforschen.
Auch in den Jahren vor und während der Balkankriege bereisten
Nopcsa und sein temperamentvoller Sekretär weite Teile von
Nordalbanien, Kosova und Mazedonien. Im Herbst 1913 berichtet
Nopcsa:
"Einmal, als Nikol Gega und Bajazid in rasch aufwallendem
Zorn zu je einem Revolver griffen und nur durch das Dazwischentreten
von Gjok Prenga und Mehmed Zeneli daran gehindert wurden, sich
gegenseitig zu erschießen, da gelang es mir sogar, diese
Angelegenheit, ohne irgendeinen Teil zu schädigen, aus der
Welt zu schaffen, so dass sich beide Gegner nach einer Weile
wieder versöhnten. Mehr als ein Europäer wunderte sich
darüber, wie ich so viele disparate Charaktere, die noch
dazu wie alle Albaner zu gegenseitigem Neid und zu Eifersucht
inklinierten, beisammen halten konnte... Von Shkodra begab ich
mich, sowie ich meinen ganzen Haushalt in Schwung gebracht hatte,
ins Gebirge. Mein Programm war zuerst, den Südhang der Nordalbanischen
Alpen zu erforschen, dann das Gebiet knapp westlich der Prokletien.
Doch mußte ich wegen Malaria vom letzteren Teil meines
Programms absehen, um mich auf den leicht begehbaren bergigen
Teil von Kastrati zu beschränken. An meiner Statt bestieg
Bajazid den Veleçik, die Kunora e Keneshdolit und einige
andere Berge, von wo er die für die Herstellung der Spezialkarte
der nordalbanischen Alpen notwendigen Fotografien machte."
Auch im Kriegswinter 1915-1916, als Nopcsa mit den k. u. k.
Truppen in Kosova diente, war sein Sekretär dabei. Nach
dem Ersten Weltkrieg lebten Bajazid Elmaz Doda und Franz Nopcsa
hauptsächlich in Wien, wo der Forscher Wichtiges veröffentlichte
und sich sowohl in der Albanologie, wie auch in der Paläontologie
und Geologie große Verdienste erwarb.
Am 25. April 1933 schied der an Depressionen leidende Baron
durch einen Schuss in den Mund aus dem Leben. Einen kurzen Augenblick
davor hatte er auch seinen treuen Diener und Lebensgefährten
erschossen. In einem Schreiben an die Polizei schrieb Nopcsa:
"Die Ursache meines Selbstmordes ist zerrüttetes
Nervensystem. Dass ich auch meinen langjährigen Freund und
Sekretär, Herrn Bajazid Elmaz Doda, im Schlafe und ohne
dass er es vorausgeahnt hätte, erschossen habe, liegt darin,
dass ich ihn krank, elend und ohne Geld nicht auf der Welt zurücklassen
wollte, da er dann zu viel gelitten hätte. Ich wünsche
verbrannt zu werden."
Bajazid Elmaz Doda ist Autor des Buches Albanisches
Bauerleben im oberen Rekatal bei Dibra (Makedonien),
das er in Wien im April 1914 als Typoskript fertigstellte und
das ebenfalls in Wien im Jahre 2007 veröffentlicht wurde.
In dem ursprünglichen Typoskript sowie in der veröffentlichten
Fassung des Werkes befinden sich als Begleitmaterial Fotografien,
die laut Verfasser von Doda selbst stammen. Sie dürfen um
das Jahr 1907 gemacht worden sein. Es handelt sich in erster
Linie um Aufnahmen seines inzwischen verschwundenen Heimatdorfes
Schtirowitza und Umgebung, sowie ein paar Aufnahmen von Skopje.
Eben weil das Dorf verschwunden ist - an der Stelle befindet
sich heute eine grüne Wiese mit einigen Steinhaufen - und
weil die einheimische albanische Bevölkerung des Rekatals
ca. 1916 zwei Jahre nach Verfassung des Buches vertrieben wurde,
sind die Bilder ein einmaliges Zeugnis von beträchtlichem
historischen Wert.
Das Buch Albanisches Bauernleben
im oberen Rekatal bei Dibra enthält eine Fülle
von Angaben und Informationen aus den verschiedensten Bereichen
und wird daher in vielen Fachgebieten Interesse wecken und Verwendung
finden. Darüber hinaus dürfte sie die frühste
in deutscher Sprache von einem Albaner verfasste Studie zur Ethnographie
sein. In einem Vorwort erklärt Doda:
Zur Türkenzeit war meine engere Heimat, das obere
Rekatal, infolge einer kurzsichtigen, auf die Erhaltung der Barbarei
hinzielenden Politik von der Welt abgeschlossen. Durch die letzten
Ereignisse ist sie unter serbische Oberhoheit gekommen, und es
ist zu befürchten, dass das mohammedanische Element des
oberen Rekatals bald vollkommen und zwar infolge seiner bisherigen
Abgeschlossenheit spurlos verschwunden sein wird. Diesem Übel
abzuhelfen, meinen Glaubens- und Dorfgenossen ihre Eigenheit
bewahren zu helfen, und gleichzeitig so ein bleibendes Denkmal
in der Albanien behandelnden Literatur zu setzen, ist der Zweck
folgender, das Leben der Mohammedaner des oberen Rekatals schildernde
Zeilen. Was Spiridion Gopcevic in seinem berüchtigten Buche
über Makedonien (Makedonien und Alt-Serbien, 1889) über
Reka schreibt, ist alles unrichtig oder tendenziöse Lügen,
was übrigens schon vor mir von anderen Reisenden festgestellt
worden ist.
Ich wollte weder eine gelehrte ethnographische Abhandlung,
noch sonst eine andere ähnliche anspruchsvolle Arbeit verfassen,
sondern schlecht und recht das Leben dieses Erdenflecks so schildern,
wie ich es selbst Tag für Tag erlebt habe.
Dereinst, wenn jene Elemente, welche die Albaner der Gegend
von Nisch [Ni] vom Erdboden vertilgt haben und auch meine
Landsleute dahingerafft haben werden, wird dann, glaube ich,
auch die einfachste, wahrheitstreue Schilderung ihres Alltagslebens
ein bleibendes Monument ihrer ehemaligen Existenz und zugleich
aber auch eine Anklage gegen ihre Vernichter werden.
Die Übersetzung des Manuskripts der vorliegenden Arbeit
besorgte Dr. Baron Nopcsa. Die Illustrationen wurden auf Grund
eigener Photographien angefertigt.
Um die Genehmigung, die Bildmaterial hier vorstellen zu dürfen,
sind wir dem Bildarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek
in Wien zu Dank verpflichtet, wo die Doda-Sammlung sich unter
den Inventarnummern NB902060B zu NB902076B befindet.
Robert Elsie
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